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Angst

Frage:
Wie hat Ihr Coach Ihnen geholfen, 

die Hürden Ihrer Unternehmensgründung zu nehmen ?


Antwort:
Er hat mir die Angst genommen .


Zwischenruf:

Darf man jemandem die Angst nehmen ?
Wirksam und richtig wäre,

die Angst aufzudecken,
die Angst anzuerkennen, 

die Angst zu erkunden, der Angst zu vertrauen

und schließlich die Angst zu nehmen
als das Tor zum nächsten Schritt.

Potenziale entstehen lassen

Potenziale entdecken? Potenziale entstehen lassen!


Schon Nachrichten gehört heut´morgen? Potenziale, Potenziale. Potenziale werden gesucht: Sparpotenziale. Wo kann man sparen? Welchen Haushaltsposten kann man kürzen? Welche Privilegien kann man beschneiden? Welchen Aufwand kann man streichen? Was bisher scheinbar gut lief, läuft nicht mehr. Die Devise heisst: Streichen, streichen, streichen. 
Wir aber sagen: Entdecken, entfalten, fördern. Als Führungskraft, als Berater, als Entwickler, als Coach suchen und finden wir ungenutzte Potenziale im System. Wir finden aber nichts anderes, als was schon da war – in der Regel so naheliegend, dass es einfach übersehen worden war. Immerhin. Entdeckt, entfaltet, ermuntert, gefördert. Das trägt dann eine Weile, dann läuft es erstmal wieder. 
Aber war da nicht die Idee, ja die Notwendigkeit von wirklich Neuem ? War da nicht die Forderung nach radikalem Umdenken und war da nicht eine Vermutung von ungeahnten Möglichkeiten? Ahnung und Ermöglichung. Das ist mehr als die Entdeckung von zwar verdecktem, darum unbekannt aber doch vorhanden. 


Wie entsteht das Unvorhandene? Wie ist das Ungeahnte zu ahnen? Wie ist das Mögliche zu ermöglichen, wie kommt der Frosch als Prinz und das Entenküken als Schwan zu Stande und in Bewegung?

Solange wir auf den Frosch oder das Entenküken oder den Klienten, das Unternehmen oder das Sysem schauen, können wir zwar mehr sehen als Frosch, Entenküken, Klient, quantitativ mehr, auch aus anderer Perspektive, aber wir können nichts Anderes sehen als das was da ist. Frosch bleibt Frosch, Entenküken wird bestenfalls Ente oder Erpel, Klient bleibt Klient.
Wenn es wirklich und wirksam um Neues als Potenzial geht, dann geht es nicht um Entdeckung sondern dann geht es um Entstehung. 


Potenziale entstehen lassen heißt, sich selbst neu entstehen lassen. Dabei ist das wirkende Wort nicht »entstehen« sondern das wirkende Wort ist »lassen«. Anderes und Andere (zu)lassen.

Der Maler Gerhard Richter, derzeit mit zwei großen Ausstellungen in Berlin geehrt, wird zitiert »Bei den abstrakten Bildern entstehen so vage Vorstellungen, die dann eben mal umgesetzt werden wollen. So beginnt es, und fast immer kommt was anderes raus, als ich geplant habe.« Die Schlüsselworte sind: »vage« (Unbestimmtheit), »eben mal« (Beiläufigkeit), »beginnt« (Ingangsetzung), »was anders als geplant« (Innovation). Das Potenzial ist die Differenz zwischen Beginn und Ergebnis.


Wie können wir als Führungskraft, als Berater, als Entwickler, als Coach selbst qualitativ anders sein, uns anders verhalten, um uns selbst und Anderen das Andere als Potenzial zu ermöglichem? 
Sein lassen, zulassen, kommen lassen, gehen lassen? Es gibt wohl keine generelle Antwort. Aber es gibt in jedem Moment, in jeder Handlung die Möglichkeit, eine Antwort zu praktizieren: Ich kann es anders machen als gewohnt, anders als vertraut, anders als erwartet. Gegen alle Erfahrung ein Experiment unterstützen. Jemandem etwas zutrauen, was derjenige sich selbst nicht zutraut. Wider besseres Wissen einen Weg zulassen. Jemandem danken, der es nicht verdient hat. Jemandem verzeihen, der es nicht verdient hat. Als Führungskraft sich führen lassen von den Geführten, als Berater begleiten statt Rat zu geben.

Veröffentlicht in LO Zeitschrift für relationales Management und Organisation, Wien, April 2012

Wie kommt Neues in die Welt

Lebensalter – Menschheitsalter

Wie kommt Neues in die Welt ?


Das Heidelberger Institut für Systemische Forschung e.V. lädt ein zu einem internationalen Symposium im Mai 2012 mit der Frage 

»WIE KOMMT NEUES IN DIE WELT ?«
Meine Frage lautet:
»KOMMT NEUES IN DIE WELT ?«



Meine kürzlich geborenene Enkelin Sophia Maris war einen Tag nach ihrer Geburt 
schon doppelt so alt wie am Tage der Geburt. Ihre Lebenserfahrung hatte sich bereits verdoppelt in nur zwei Tagen ihres bisher ganzen Lebens.
Wenn ich selbst morgen abend schlafen gehe, dann bin ich im Rückblick auf heute abend nur ein sechsundzwanzigtausendsiebenundneunzigstel meines Lebens älter geworden mit einem entsprechend geringen Zuwachs an Lebenserfahrung in meinem bisher ganzen Leben. Und von morgen auf übermorgen ist das sogar nur noch ein sechsundzwanzigtausendachtundneunzigstel meines Lebens.

Je älter ich werde desto langsamer entferne ich mich aus meiner Vergangenheit, desto langsamer nimmt meine Erfahrung zu. Von der enormen Entwicklungsgeschwindigkeit der ersten Tage meines Lebens habe ich keine Ahnung geschweige denn gar Erinnerung.


Wenn ich dies auf das Alter und das Altern der Menschheit übertrage,
dann nehme ich an, dass seit Entstehung mit zunehmendem Alter die Menschheit immer langsamer alt wird, sich immer weniger entwickelt und immer weniger an Erfahrung gewinnt. Ich meine Erfahrung, ich meine nicht technisches Wissen. Ich meine die Erfahrung, mit sich selbst und mit anderen klar zu kommen.


So erkläre ich mir, dass nichts wirklich Neues in der Welt geschieht, keine wirklich neuen Gedanken, kein wirklich neuer Umgang miteinander, keine wirksam neue Idee, um mit sich selbst und mit anderen einvernehmlich klar zu kommen. 
Die wesentlichen großen Zuwächse an Entwicklug und an Erfahrung liegen unerinnerlich und unverfügbar am Beginn der Menschheit vor hunderttausenden von Jahren. Wir Heutigen in der späten Zeit der Menscheit sind Zeitgenossen einer kurzen Spanne von nur wenigen Tausend Jahren, in denen wir uns nicht mehr wesentlich weiter entwickelt haben. Sintflut und Arche Noah, Kreuzzüge, Völkerwanderungen, Renaissance, Reformation, Sklavenhandel, Folter, Krieg, Massenkonsum und Massenvernichtung, die alten Griechen, die chinesischen Weisen, Leonardo da Vinci, Hiroshima und Fukoshima, Hannibal, Nero und Ghandi, all das ist präsent, ist Gegenwart, war und ist zeitgenössisches Handeln und Denken. Zwar sind seit je her und weiterhin durchaus Kräfte im Spiel mit dem Anspruch auf Neuheit und Erneuerung, mal kräftiger mal schwächer aber kaum je wirksam in der kurzen Spanne unserer Zeit seit vielleicht zehntausend Jahren. Die Menschheit ist alt und nur noch in Tausendstelschritten beweglich.


Vielleicht aber könnten wir von Neugeboren lernen, wie Neues in die Welt kommt. 
Wir müssten herausbekommen, wie sie das machen, von heut auf morgen ihre Erfahrung und ihre Fähigkeiten zu verdoppeln gleich nach der Geburt. Eine kleine Weile geht das noch weiter bei den Kleinen mit abnehmender Geschwindigkeit, bis dann wir Alten mit unserer Verziehung die Kinder auf den Stand der nicht mehr sich ändernden alten Menschheit bringen und sie zu Zeitgenossen machen.


Wie kommt Neues in die Welt ?

Schaut auf die Säuglinge ! Von Tag zu Tag !

Schaut auf die Kleinsten der Kleinen !

Eigentlich

»Der nächste Schritt« liegt zur Ansicht neben Zeitschriften auf dem kleinen Tisch im Wartezimmer der Physiotherapie-Praxis für Patienten und Teilnehmer an Yoga- und Feldenkrais-Kursen. Heute sehe ich eine Frau darin lesen. Ich spreche sie an. Sie sucht gerade noch mal zum Nachlesen den Titel Eigentlich.»Ich benutzte das Wort« sagt sie, »wenn ich mein Gegenüber nicht mit einer Wahrheit konfrontieren will«. Ich frage: »Könnte es auch sein, dass Sie sich selbst mit der Wahrheit nicht konfrontieren wollen und Ihr Gegenüber Ihnen als Alibi dient ? Zum Beispiel, wenn man sagt „Ich liebe dich eigentlich“. Wer will da welche Wahrheit nicht klar benennen?« »Nein, ich habe mit Wahrheit nie ein Problem« sagt sie.

Wo Fehler fehlen, fehlt das Leben

Jagd-Saison im Schlosspark: 
Ist es ein Fehler, wenn ein gejagtes Wild Haken schlägt ? Das Wild schlägt Haken, um der Jagd zu entfliehen, um leben zu bleiben. Der Fehler des Jagdwildes liegt darin, Jagdwild zu sein. Jagdwild ist das Wild aber nur aus Sicht des Jägers. Der Jäger definiert sich zum Jäger, indem er das Wild als Jagdwild definiert. Die Definition ist Definition des Jägers. Jagd-Saison. Das Hakenschlagen des fliehenden Jagdwildes ist das Produkt des Jägers. Stolzer Wolf in freier Wildbahn. Fehler-Wolf auf der Flucht, böser Wolf in der Falle. Stolzer Jäger vor dem Wolf in der Falle. 
Schluss mit Fehlern? Schluss mit Fehlern im Umgang mit Fehlern? 
Wo Fehler fehlen, fehlt das Leben.
Schluss mit der Jagd! Schluss mit Pranger! Schluss mit Inquisition!
»Niemand darf …erniedrigender Behandlung … unterworfen werden«
(Artikel 5 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte)


Ihre Verbindung wird gehalten

Ihre Verbindung wird gehalten - Ihre Verbindung wird gehalten - Ihre Verbindung wird gehalten - Ihre Verbindung wird gehalten …….
Wer ist nicht genervt vom Warten, dass die Verbindung endlich zustande kommt? Mir selbst geht es gerade anders herum: Wenn schließlich der von mir angewählte Telefon-Partner sich meldet, bin ich fast enttäuscht, dass mir nicht noch viel länger versichert wird: Ihre Verbindung wird gehalten.
Ich höre diese Ansage  als Zusage. Ich höre nicht eine inhaltsleere Warteschleife, sondern ich höre Wort für Wort die Zusage, dass ich nicht verloren gehen kann, dass mir nichts geschehen kann, dass ich nicht allein bin, dass ich gehalten bin, dass mir Halt und Bindung nicht verloren gehen im Netzwerk meines Lebens. Und jetzt, gerade jetzt , wo Du dies liest, bin ich sogar auch mit Dir verbunden.
Gern wüsste ich Autor oder Autorin dieser Ansage mit der Kraft einer Zusage.
Florian Fischer

Blog eröffnet

Jetzt wächst das Buch in den Raum.
Mit andren Worten: seid willkommen, liebe Leserinnen und Leser .
Ich freue mich auf  Erweiterung, Einspruch und Zuspruch.

Dank für die Rezension

Lieber Joachim Kobuss,
sehr großer Dank für die weitverankerte und ausführliche Rezension !!
Das tut richtig gut als eine Zuströmung von Energie.

http://www.designersbusiness.de/informationen/literatur/florian-fischer